Wo war meine 8-spurige Autobahn in meinem Kopf geblieben?
Ich komme gerade von meinem letzten Treffen des MBSR-Achtsamkeitskurses. Vor neun Wochen habe ich damit begonnen, heute fand das Abschlusstreffen statt. Heute Morgen fuhr ich in einem zwiespältigen Zustand los: glücklich über das, was ich in den letzten Tagen erreicht hatte, angespannt, weil ich wieder kurze Zeit in meinem „Ich muss“-Muster war, unruhig, von Ängsten und Zweifeln begleitet – und dennoch innerlich strahlend, weil ich spürte, dass sich etwas verändert hat.
Nach meiner Ankunft begannen wir mit einem Body Scan, gefolgt von einer Sitzmeditation. Im Raum nebenan fand eine andere Veranstaltung mit vielen lauten Männerstimmen statt. Diese Geräuschkulisse begleitete mich während der gesamten neun Wochen. Oft war ich so wütend darüber, dass ich am liebsten hinausgerannt wäre, um meinem Ärger Luft zu machen – so unverschämt und rücksichtslos empfand ich das. Doch heute musste ich über die Situation schmunzeln: Die Stimmen waren laut, ja, aber sie störten mich nicht mehr. Ich war in meiner Stille – und hatte genauso viel Recht da zu sein wie diese lauten Stimmen. Mehrfach musste ich mich zurückholen, doch es gelang mir. Genau das darf sein.
Vor Beginn des Kurses hatte ich eine ganz andere Vorstellung davon, was Achtsamkeit bedeutet. Was genau, kann ich heute nicht mehr sagen. Vielleicht dachte ich, es gehe vor allem ums Meditieren – und ja, das haben wir viel getan. Meditieren praktiziere ich ohnehin schon seit Jahren täglich.
Was für mich jedoch besonders wertvoll war: Ich habe plötzlich verstanden, welche Stressmuster mich prägen und wann genau ich unter Stress gerate. Ich kann nun Aufgaben nacheinander angehen und bin nicht mehr völlig erschöpft. Ich arbeite nicht mehr an drei Dingen gleichzeitig. Außerdem habe ich Strategien entwickelt, um mir einen inneren Raum zu schaffen, wenn mich etwas triggert. Ich erkenne jetzt meine Selbstkritik und sage mir leise: „Meisje, das brauchst du nicht. Alles ist gut und du bist okay.“
Ich bin zutiefst dankbar für diese Erfahrung und danke der saarländischen Krebsgesellschaft sowie ganz besonders unserer Kursleiterin. Und natürlich allen Frauen, die mit dabei waren und für das Vertrauen, den Raum und die Offenheit untereinander.
Jetzt ist plötzlich Stille in mir – wie schön. Ich sitze mitten im Durcheinander, möchte schreiben, Tee trinken und einfach nichts weiter tun.
P.S. Und was ich ganz vergessen habe: Ein herzliches Dankeschön an mich selbst dafür, dass ich den Mut hatte, all diese Muster zu hinterfragen.
