Von außen mag es den Anschein erwecken, dass mein Leben oft kompliziert oder anders verläuft als das anderer Menschen. Aber ja, es ist anders – auf jeden Fall. Kompliziert? Nein, es verhält sich so, dass alles zum richtigen Zeitpunkt geschieht. Als ich meinen Termin in der Reha-Klinik vereinbarte, dachte ich nur an meinen Geburtstag und den Besuch unserer Freunde aus England. Eines war mir jedoch klar: Nie wieder wollte ich über die Feiertage, also an Weihnachten und Silvester, in die Reha gehen.

Wenn ich nun zurückblicke, kann ich mit Gewissheit sagen, wie gut und richtig diese Entscheidung letztendlich war.

Die Reha kam genau zur richtigen Zeit. Sobald ich äußere, dass ich an meine Grenzen stoße, verstehen die Menschen in meinem näheren Umfeld sofort, was in mir vorgeht. Ich muss gestehen, dass ich nicht mit den intensiven Emotionen gerechnet hatte, die nach der Beerdigung meiner Mutter auftraten. 

Jetzt war es eindeutig: Es konnte losgehen nach Bad Kreuznach und in die Zeit für mich!

Am 11. Februar 2025 begann endlich mein lang ersehnter Rehabilitationsaufenthalt. Lange Zeit hatte ich mit dem Gedanken gekämpft, mich für eine Reha zu entscheiden. Die Vorstellung, von vielen kranken Menschen umgeben zu sein, bereitete mir Sorgen. Ich neige dazu, die Schicksale und Ängste anderer intensiv nachzuvollziehen, was es mir schwer macht, mich emotional abzugrenzen. Dennoch wurde mir bewusst: Wenn ich in Zukunft mit Frauen, die an Krebs erkrankt sind, arbeiten möchte, gibt es keine bessere Gelegenheit für mich, zu lernen, wie ich diese Abgrenzung schaffen kann.

Als ich in der Hamm Klinik Nahetal ankam, wurde mir innerhalb von Sekunden wieder bewusst: Ich hatte Krebs. Es scheint, als hätte ich mich zwar mit dieser Realität abgefunden und einige Dinge hinter mir gelassen… doch alles war wieder ganz präsent.

Ich fühlte mich alles andere als stabil – was nach allem, alleine in den letzten 8 Wochen auch nicht verwunderlich ist. Nach meiner Aufnahme wurde mir bewusst, dass ich in diesem Zimmer nicht bleiben konnte. Ich musste hinaus in die Natur. Es war ein warmer Tag, und so machte ich mich langsam auf den Weg durch das Salinental, vorbei an der Nahe, bis ich in der Stadt ankam. Dort kaufte ich frische Blumen und einige Dekorationen, bevor ich es mir bei einer Tasse Kaffee gemütlich machte.

Zurück in der Klinik – die natürlich auf dem gefühlten höchsten Berg in der Region liegt – begann ich damit, mein Zimmer einzurichten und gemütlich zu machen und mich auf das Programm sowie die bevorstehenden Therapien vorzubereiten. In den ersten Tagen glich das Haus mit seinen vielen Etagen und Neubauten einem verwirrenden Labyrinth, und ich war nicht die Einzige, die das so empfand. Eines war jedoch klar: Ich würde keinen Aufzug benutzen, sondern die Treppen nehmen. Schließlich begann das Fitnessprogramm genau dort.

Schnell stellte sich mir die Frage: War das absichtlich so gestaltet? Die Herausforderung des Sportprogramms und Hirnleistungstraining bestand nicht nur darin, die richtige Therapie zur richtigen Zeit zu finden oder an dem passenden Tisch Platz zu nehmen – es ging auch darum, täglich 40 Etagen zu bewältigen.

Der Speisesaal und die Vielzahl der Menschen können für mich manchmal überwältigend und überfordernd sein. Um dem Trubel zu entgehen, gehe ich mit mentalen Scheuklappen zum Essen. Doch ich freue mich besonders über meine Tischnachbarn. Wir verstehen uns prächtig, lachen viel miteinander und führen anregende Gespräche.

Lachen… ganz wunderbar, insbesondere wenn ich erstaunt bin über die Tatsache, dass mein Nachbar im Fitnessstudio bei seinen Übungen 60 Wiederholungen absolvieren muss. Während ich ja nur 2×30 Wiederholungen machen muss. Ich bereits in Panik verfallen und dachte mir: „Oh je, 60 Mal Beinpresse – das schaffe ich niemals!“. Nach einer kurzen Zeit des Nachdenkens bemerkte auch ich es…

Häufig werden wir am Abend aus dem Speisesaal geschmissen, da wir in lebhaften Diskussionen versinken und nicht bemerken, wie die Zeit vergeht.

Inzwischen habe ich meinen eigenen Weg gefunden, um mich an das Essen zu gewöhnen. Dank der wertvollen Unterstützung der Ernährungsberaterinnen und des aufmerksamen Servicepersonals konnte ich eine für mich passende Lösung entwickeln. An dieser Stelle: Vielen Dank.

Ich habe eine Vielzahl von bereichernden Aktivitäten entdeckt, die nicht nur Freude bereiten, sondern auch eine wertvolle Herausforderung darstellen. Endlich habe ich begriffen, dass Ausdauersport für mich unerlässlich ist, um innerliche Ruhe zu finden. Sport ist für mich keine bloße Freizeitbeschäftigung, sondern ein integraler Bestandteil meines Lebens, ebenso wichtig wie meine Ernährung. Nur durch diese Balance kann ich in Ruhe meditieren und entspannende Übungen praktizieren. Daher plane ich fortan, wöchentlich 3-5 Stunden aktiv zu sein – sei es beim Walken, Yoga, Pilates oder im Fitnessstudio. Wie genau mein neuer Tagesrhythmus zu Hause aussehen wird, darüber denke ich noch nach; ich habe ja noch 10 Tage Zeit, um mir Gedanken zu machen.

Beim Walken müssen wir uns am Puls orientieren – die erste Stunde war schon ganz schön aufregend! Die Einführung zur Bedienung der Pulsuhr hat meinen Puls bereits schon auf 115 steigen lassen. Mittlerweile bin ich in der Lage, 4km mit einem Puls im unteren Bereich zu laufen, aber schneller geht nicht, da ich mit meinen Beinen nicht hinterher komme. Zu Hause werde ich wieder das Joggen aufnehmen und mir eine eigene Pulsuhr anschaffen.

Bad Bergzabern

Ich habe zahlreiche Therapieangebote, die ich zu Hause nicht in ausreichendem Maße umsetzen kann oder für die ich eine Anfahrt von mehr als 30 Minuten benötige. Daher nutze ich hier jede Möglichkeit voll aus.

Besonders begeistert bin ich von der Tanztherapie, bei der ich frei tanzen kann, so wie es mir gerade gefällt. Alle negativen Gedanken fliegen los, und danach fühle ich mich mental erfrischt und befreit.

Ich hatte ja -in Gedanken – den Wunsch geäußert, mein Programm erst ab 11 Uhr zu beginnen. Leider ist beim Ausfüllen meines Wunschzettels etwas schiefgelaufen. So werde ich die letzte Woche die Frühschicht übernehmen, was bedeutet, dass ich bereits um 7 Uhr mit Qi Gong oder Wirbelsäulengymnastik starte… Puh, das war wird anstrengend! Ich freue mich danach so auf einen Café.

Ursprünglich hatte ich Bedenken, Qi Gong schon um 7 Uhr morgens zu praktizieren – abends erschien mir das viel geeigneter. Doch mittlerweile habe ich festgestellt, dass diese entspannende Morgenroutine den Tag mit einem gewissen Ruhegefühl bereichert.

Letzte Woche brachte eine Frau die geniale Idee ein, Drums Alive in unsere Sport- und Bewegungstherapie zu integrieren, als die Therapeutin uns nach unseren Interessen fragte. Es war einfach fantastisch und hat enormen Spaß gemacht – genau das Richtige für mich! Ich überlege ernsthaft, mir zu Hause einen Pezzi-Ball und Drumsticks zuzulegen. Ob es alleine genau so viel Freude bereitet? Das wird sich zeigen.

Außerdem habe ich zahlreiche Vorträge besucht. Anfangs war ich etwas genervt, da einige nicht wirklich auf meine Bedürfnisse abgestimmt waren. Doch ich habe festgestellt, dass ich aus jedem Vortrag mindestens einen wertvollen Impuls mitnehmen kann. Besonders viel habe ich über meinen Erschöpfungszustand gelernt und bin nun besser in der Lage, damit umzugehen. Auch das Thema Schlaf hat sich als völlig normal herausgestellt. Zur Zeit führe ich ein Schlaftagebuch und siehe da: Ohne Mittagsschlaf fühle ich mich deutlich fitter, und offenbar benötige ich nicht mehr als neun Stunden Schlaf.

Ein paar Eindrücke aus der Klinik

In den vergangenen zwei Wochenenden hatte ich viel Besuch. Meine beste Freundin – meine Schwester im Herzen – wohnt glücklicherweise nur 30 Minuten von hier entfernt. Wir genießen unsere gemeinsame Mädels Zeit mit Café trinken, Spaziergängen, tiefgehenden Gesprächen und entspannten Einkaufsbummeln. Diese Begegnungen sind für uns sowohl leicht und fröhlich als auch geprägt von ernsthaften Unterhaltungen über Beruf und Leben. Es gibt mir ein Gefühl von Lebendigkeit und Leichtigkeit.

Zunächst zögerte ich, aber letztendlich war es eine gute Entscheidung, dass Vecchio mit meinem Vater zu Besuch war. Es war eine ungewohnte Situation, die auch schmerzhaft für mich war. Ich hatte mir vorgestellt, dass meine Eltern mich während der Reha besuchen würden – dieser neue Lebensabschnitt ist mir nun bewusst geworden und stellt eine bedeutende Veränderung dar.

Heute waren meine Tischnachbarin und ich von 11 bis 17 Uhr unterwegs – durch malerische Wälder und ausgedehnte Weinberge in Richtung Bad Kreuznach. In der warmen Sonne haben wir uns lange Zeit genommen, um unseren Kaffee zu genießen – es fühlte sich an wie ein kleiner Urlaub. Anschließend erkundeten wir die Altstadt und schlenderten durch den Schlosspark, bevor wir zurück in den Kurgarten gingen. Insgesamt sind wir stolze 14 Kilometer gewandert, was meine Füße leicht müde macht, aber die Erfahrung war es definitiv wert. Es war eine wunderbare Zeit voller beeindruckender Begegnungen mit der Natur…

… nur der Stadtplan weist einen kleinen Fehler auf. Diesmal war es jedoch nicht an den Frauen, die Schwierigkeiten beim Lesen des Stadtplans hatten. :-).

Bad Münster am Stein

24. Februar 2025

Meine letzte Woche Reha hat begonnen

und ich bin erstaunt, wie schnell die Zeit vergeht. Ich hatte die Möglichkeit, über vieles nachzudenken, und ich bin sehr froh, dass ich mich für diesen Weg entschieden habe. Hier fühle ich mich wohl, denn wir stehen alle vor ähnlichen Herausforderungen, und es ist beruhigend zu wissen, hier werde ich verstanden und wir sitzen im ähnlichen Boot.

Ich habe es mir wirklich erlaubt, alles Zuhause zurückzulassen; es ist wie in einer geschützten Blase. Diese letzte Woche nutze ich nun für die weitere Ausarbeitung des Konzeptes „Meisje on Tour“.

…. und ch habe mich bereits für ein Probetraining im Fitnessstudio zu Hause angemeldet und freue mich darauf, meine Fitnessreise weiterzuführen!

Und ich muss gestehen, dass ich erstmals in meinem Leben ein Gefühl von Heimweh verspüre… ich freue mich auf zu Hause, auch Vecchio und „Frau Groß“ brauchen mal etwas Zeit für uns – wir sind etwas zu kurz gekommen in den letzten Wochen.