Am 11. Februar 2025 begann endlich mein lang ersehnter Rehabilitationsaufenthalt. Lange Zeit hatte ich mit dem Gedanken gekämpft, mich für eine Reha zu entscheiden. Die Vorstellung, von vielen kranken Menschen umgeben zu sein, bereitete mir Sorgen. Ich neige dazu, die Schicksale und Ängste anderer intensiv nachzuvollziehen, was es mir schwer macht, mich emotional abzugrenzen. Dennoch wurde mir bewusst: Wenn ich in Zukunft mit Frauen, die an Krebs erkrankt sind, arbeiten möchte, gibt es keine bessere Gelegenheit für mich, zu lernen, wie ich diese Abgrenzung schaffen kann.
Als ich in der Hamm Klinik Nahetal ankam, wurde mir innerhalb von Sekunden wieder bewusst: Ich hatte Krebs. Es scheint, als hätte ich mich zwar mit dieser Realität abgefunden und einige Dinge hinter mir gelassen… doch alles war wieder ganz präsent.
Ich fühlte mich alles andere als stabil – was nach allem, alleine in den letzten 8 Wochen auch nicht verwunderlich ist. Nach meiner Aufnahme wurde mir bewusst, dass ich in diesem Zimmer nicht bleiben konnte. Ich musste hinaus in die Natur. Es war ein warmer Tag, und so machte ich mich langsam auf den Weg durch das Salinental, vorbei an der Nahe, bis ich in der Stadt ankam. Dort kaufte ich frische Blumen und einige Dekorationen, bevor ich es mir bei einer Tasse Kaffee gemütlich machte.
Zurück in der Klinik – die natürlich auf dem gefühlten höchsten Berg in der Region liegt – begann ich damit, mein Zimmer einzurichten und gemütlich zu machen und mich auf das Programm sowie die bevorstehenden Therapien vorzubereiten. In den ersten Tagen glich das Haus mit seinen vielen Etagen und Neubauten einem verwirrenden Labyrinth, und ich war nicht die Einzige, die das so empfand. Eines war jedoch klar: Ich würde keinen Aufzug benutzen, sondern die Treppen nehmen. Schließlich begann das Fitnessprogramm genau dort.
Schnell stellte sich mir die Frage: War das absichtlich so gestaltet? Die Herausforderung des Sportprogramms und Hirnleistungstraining bestand nicht nur darin, die richtige Therapie zur richtigen Zeit zu finden oder an dem passenden Tisch Platz zu nehmen – es ging auch darum, täglich 40 Etagen zu bewältigen.
Der Speisesaal und die Vielzahl der Menschen können für mich manchmal überwältigend und überfordernd sein. Um dem Trubel zu entgehen, gehe ich mit mentalen Scheuklappen zum Essen. Doch ich freue mich besonders über meine Tischnachbarn. Wir verstehen uns prächtig, lachen viel miteinander und führen anregende Gespräche.
Lachen… ganz wunderbar, insbesondere wenn ich erstaunt bin über die Tatsache, dass mein Nachbar im Fitnessstudio bei seinen Übungen 60 Wiederholungen absolvieren muss. Während ich ja nur 2×30 Wiederholungen machen muss. Ich bereits in Panik verfallen und dachte mir: „Oh je, 60 Mal Beinpresse – das schaffe ich niemals!“. Nach einer kurzen Zeit des Nachdenkens bemerkte auch ich es…
Häufig werden wir am Abend aus dem Speisesaal geschmissen, da wir in lebhaften Diskussionen versinken und nicht bemerken, wie die Zeit vergeht.
Inzwischen habe ich meinen eigenen Weg gefunden, um mich an das Essen zu gewöhnen. Dank der wertvollen Unterstützung der Ernährungsberaterinnen und des aufmerksamen Servicepersonals konnte ich eine für mich passende Lösung entwickeln. An dieser Stelle: Vielen Dank.
Ich habe eine Vielzahl von bereichernden Aktivitäten entdeckt, die nicht nur Freude bereiten, sondern auch eine wertvolle Herausforderung darstellen. Endlich habe ich begriffen, dass Ausdauersport für mich unerlässlich ist, um innerliche Ruhe zu finden. Sport ist für mich keine bloße Freizeitbeschäftigung, sondern ein integraler Bestandteil meines Lebens, ebenso wichtig wie meine Ernährung. Nur durch diese Balance kann ich in Ruhe meditieren und entspannende Übungen praktizieren. Daher plane ich fortan, wöchentlich 3-5 Stunden aktiv zu sein – sei es beim Walken, Yoga, Pilates oder im Fitnessstudio. Wie genau mein neuer Tagesrhythmus zu Hause aussehen wird, darüber denke ich noch nach; ich habe ja noch 10 Tage Zeit, um mir Gedanken zu machen.
Beim Walken müssen wir uns am Puls orientieren – die erste Stunde war schon ganz schön aufregend! Die Einführung zur Bedienung der Pulsuhr hat meinen Puls bereits schon auf 115 steigen lassen. Mittlerweile bin ich in der Lage, 4km mit einem Puls im unteren Bereich zu laufen, aber schneller geht nicht, da ich mit meinen Beinen nicht hinterher komme. Zu Hause werde ich wieder das Joggen aufnehmen und mir eine eigene Pulsuhr anschaffen.